Der Jahrgang 2019

Die Reben hatten sich im Frühjahr viel Zeit gelassen bis sie nach der Winterruhe ihr erstes Grün und Mitte Juni die ersten Blüten zeigten. Das sehr warme und trockene Wetter danach bescherte uns eine frühe Reife und damit einen schnelleren Erntebeginn, als alle zunächst erwartet hatten. Die Rekordtemperaturen mit über 40°C im Juli führten an vielen Beeren zu „Sonnenbrand“ in einem Ausmaß, wie wir es bisher nicht gekannt hatten, was je nach Rebsorte und Weinberg zu einem Ertragsverlust von 10 bis 20% und erheblichen Mehraufwand bei der Lese mit sich brachte.

 

Nach exakt sechs Wochen konnten wir am 17. Oktober die Ernte abschließen. Nicht an jedem Tag wurden Trauben gelesen; nach der Pause zwischen Sektgrundwein- und „normalen Ernte“ mussten wir auch nach Regen immer wieder abwarten. Während anfangs wie in den beiden Vorjahren fast hochsommerliche Bedingungen herrschten, erinnerte die ab dem 23. September kühlfeuchte Wetterlage eher an typisches Aprilwetter mit Regenschauern, viel Wind und sehr unpräzisen Wettervorhersagen. Unsere Trauben trotzten mit ihrem guten Gesundheitszustand und den außergewöhnlich dicken Schalen dem oft widrigen Wetter ebenso erfolgreich wie unsere erfahrenen Lesehelfer. Dennoch waren oft gute Nerven und sehr viel Geduld gefragt, bis alle Trauben in der gewünschten Qualität sicher in unser Kelterhaus gebracht waren.

 

Die besten Weine entstehen fast immer nur in guter Teamarbeit! Denn der beste Weinberg allein ist noch kein Garant für ein Spitzenprodukt. Erst das perfekte Zusammenspiel von akkurater Handarbeit, fundiertem Fachwissen, spontaner Intuition, langjähriger Erfahrung, andauernder Neugier, gesundem Ehrgeiz, schier grenzenloser Ausdauer und ganz viel Geduld macht beste Ergebnisse überhaupt erst möglich. Das durften wir gerade wieder in den letzten Wochen erleben. Und es bereitete uns in diesem Jahr noch mehr Freude, weil unsere Zwillinge Hans und Valentin zum ersten Mal gemeinsam in unserem jungen Team von festen Mitarbeitern, Auszubildenden und Praktikanten die Verantwortung übernommen hatten. Durch Ausbildung, Praktika und Studium war dies in der Vergangenheit immer höchstens einem der beiden möglich. Die Mitarbeit in verschiedenen Betrieben im In- und Ausland hat bei ihnen für viele Anregungen, Erfahrungen und Neugier gesorgt. Fast alles wird hinterfragt, nicht um es einfach nur neu oder anders zu machen, sondern besser oder noch perfekter.

 

Die Weine dieses Jahres werden sich vom Charakter wohl zwischen den beiden Vorjahren 2017 und 2018 einordnen: Zwei Jahrgänge, die sich schon in der Jugend durch ihre perfekt reifen Trauben sehr zugänglich zeigen. Aber durch unseren biodynamischen Weinbau, die traditionelle Traubenverarbeitung mit Maischestandzeiten und den schonenden, auf den Faktor Zeit setzenden Weinausbau besitzen sie auch so viel Struktur und Potenzial, dass sie noch ganz lange große Trinkfreude bereiten.

 

 

Siebeldingen, im Oktober 2019