
Rundbrief November 2011
Liebe Freunde des Rebholz-Weines!
Wenn Ende Oktober die Zeilen für den „Weihnachtsrundbrief“ geschrieben werden, herrscht normalerweise in Kelterhaus und Keller noch emsige Betriebsamkeit und in den Weinbergen warten in manchen Jahren die letzten Trauben auf die Ernte. In diesem Jahr ist es anders. Seit dem 10. Oktober ist die Weinlese beendet. Dieser früheste Ernteabschluss ist keineswegs das Resultat von weniger Sorgfalt bei der Lese oder gar von geringerem Risiko, was das Ausreizen des optimalen Lesezeitpunktes betrifft. Es ist die „natürliche“ Folge eines außergewöhnlichen Witterungsverlaufes in diesem Jahr. Aber der brachte – so viel sei an dieser Stelle schon verraten - nicht solche Ergebnisse wie 2003 oder 2006, in Jahren mit ähnlich frühem Ernteabschluss. Der Jahrgang 2011 wird viel mehr in die seit der Mitte der 90er Jahre zu beobachtende Tendenz der recht unterschiedlichen Jahrgangscharakteristik von geraden und ungeraden Jahren einreihen. Denn seit dieser Zeit gab es in den geraden Jahrgängen eher die leichten, eleganten und säurebetonten, mineralischen Weine, während in den ungeraden Jahren meist volle, fruchtige und milde Weine heranreiften. Eine interessante, und für Sie liebe Weingenießer, für Abwechslung sorgende Tatsache!
Doch wie kam es in diesem Jahr zu diesen sehr vielversprechenden Qualitäten, wo die meisten von Ihnen doch eher negative Erinnerungen an den Sommer haben? Da sich diese Erinnerung oft nur auf die Urlaubszeit bezieht, in der man meist auf „gutes Wetter“ fixiert ist“, übersieht man leicht den Rest des fast idealen Witterungsverlaufes der übrigen Vegetationsperiode. Für die Qualität und den Charakter der Weine eines Jahrgangs ist nämlich der gesamte Zeitraum maßgeblich! In diesem Jahr fiel der Startschuss für das Erwachen der Natur nach einem kurzen, trockenen Winter schon sehr früh. Nach den außergewöhnlich milden Monaten Februar, März und April war deshalb der Wuchs der Reben Anfang Mai schon recht weit fortgeschritten, als eine Frostnacht in vielen deutschen Weinregionen gravierende Schäden anrichtete. Der bedeckte Himmel verhinderte in dieser Nacht bei uns Ähnliches. Das warme trockene Wetter sorgte anschließend im Mai und der ersten Junihälfte nicht nur für viele schöne Frühsommerabende im Freien, sondern auch für eine zu diesem Zeitpunkt ungewöhnliche Trockenheit in den Weinbergen. Der Vegetationsvorsprung der Reben von über einem Monat schrumpfte in Folge dessen wieder auf die Hälfte. Für unsere Reben war deshalb das feuchte „Urlaubswetter“ dieses Sommers genau richtig. Deshalb waren bereits Mitte August die meisten Trauben schon weich und so reif, dass man sie essen konnte! In der zweiten Augusthälfte brachten Sommerhitze und –gewitter ein fast tropisches Klima. Auch wenn die Haut von reifen Traubenbeeren recht elastisch ist, können sich die Beeren bei genügend Bodenfeuchtigkeit so vollsaugen, dass die Haut aufreißt oder sie sich gegenseitig abdrücken. An diesen Verletzungen kann sich dann Fäulnis entwickeln. Erste Befürchtungen, dass sich diese beginnende Fäulnis ähnlich schnell wie 2006 weiter ausbreiten könnte, bewahrheiteten sich aber ab Mitte September durch das glücklicherweise trockene und kühlere Wetter nicht. Von Beginn der Lese an mussten die vorhandenen schlechteren Traubenteile durch sehr aufwändige Handarbeit sorgfältig entfernt werden. Während der gesamten Ernte hat uns das Wetter für diesen Aufwand belohnt: in den vier Wochen, die wir ohne Unterbrechung geerntet haben, regnete es nur zweimal ganz wenig – und dies nachts. Mit dem Ergebnis, der Qualität, sind wir sehr zufrieden; dabei entspricht die Erntemenge genau unserem langjährigen Durchschnitt von 55hl/ha.
Die Weine haben jetzt Zeit, fertig zu gären. Obwohl unser Angebot an aktuellen Weinen – wie Sie sehen können - im Moment recht „überschaubar“ ist, möchten wir unseren Weinen auch bei diesem Jahrgang die Zeit und Möglichkeit lassen, sich zu entwickeln. Da wir mit der Lese, wie berichtet, früh abgeschlossen haben, ist es aber gut vorstellbar, dass wir bereits Anfang April die ersten 2011er Weine anbieten. Spätestens zu unseren Probiertagen (18. und 19. Mai 2012) im Rahmen der „VDP-Maispitzen“ wird der größte Teil des neuen Jahrgangs verfügbar sein.
Aber auch mit der Entwicklung der 2010er Weine sind wir mehr als zufrieden. Wir waren schon sehr gespannt, wie unsere „kompromisslosen“ Weine bei Ihnen und bei Fachleuten ankommen würden. Doch unsere eleganten, feinen Weine mit der jahrgangstypischen Leichtigkeit und ihrer mineralischen Säure haben so viele Freunde gefunden, dass inzwischen schon etliche Weine ausverkauft sind. Und die meisten Fachleute haben das große Potenzial dieser Weine erkannt und mit sehr hohen Bewertungen honoriert. Schade, dass die Stärke der „geraden“ Weine oft erst so spät erkannt wird.
Auch in diesem Jahr wollen wir den ersten Samstag im Dezember dem Spätburgunder widmen. Wir haben dafür die Weinautorin und -fachfrau Christina Fischer eingeladen, mit der wir zusammen das Thema „Pinot & Schoko“ beleuchten wollen. Ein spannendes und leckeres Thema, da bei uns die Spätburgunder-Produktpalette vom Sekt über Rotwein bis zum Portweinartigen Likörwein „X-Periment“ reicht, und zum Teil in den Schokoladekostproben verarbeitet sein wird. Für eine Teilnahme an der Veranstaltung, die in kurzen Seminaren durchgeführt wird, ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich.
Erstmals führen wir in der Weinliste auch einige gereifte Weine in Flaschen mit größerem Inhalt auf. Von allen hochwertigen Weinen mit besonders gutem Entwicklungspotenzial füllen wir etwas in diese „Großformate“ ab, da sie darin besonders gut reifen. Von den aufgeführten Weinen sind nur wenige Flaschen verfügbar, wir führen sie „beispielhaft“ für weitere Weine in Großflaschen auf. Bitte wenden Sie sich an uns, wenn Sie Interesse an einem speziellen Wein haben.
Wenn Sie Probier- oder Geschenkpakete wünschen, so beraten wir Sie gerne. Wir fügen den Geschenksendungen selbstverständlich auch Ihre persönlichen Grüße oder Karten bei.
Ihnen und Ihren Freunden wünschen wir frohe Stunden beim REBHOLZ-Wein und heute schon ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute fürs kommende Jahr 2012.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Familie REBHOLZ

