4. Oktober

Es gab sicherlich viele Jahre in denen wir mit mehr Euphorie der Lese entgegenfieberten! 
Die Witterungs- und Vegetationsbedingungen waren in diesem Jahr so ungewöhnlich, dass eine mengenmäßig kleinste Ernte seit 30 Jahren zu erwarten ist.
Auch die recht hohen Säurewerte, vor allem beim Riesling, schoben den Lesebeginn in diesem Jahr immer wieder weiter hinaus. Doch morgen geht’s los…

5. Oktober

Typisch, ausgerechnet an dem Tag, an dem wir mit der Lese beginnen wollen, regnet es in der Nacht vorher ein paar Tropfen!
Trotzdem geht es um 10 Uhr mit einer kleinen Truppe in die beiden Sauvignon Blanc – Weinberge. Die ältere Anlage wird komplett, die jüngere nur vorgelesen.

6. Oktober

Sektgrundwein! In diesem Jahr werden wir nur Spätburgunder Trauben als Blanc de Noir für Sektgrundwein ernten. Da wir beim Chardonnay nur einen geringen Ertrag erwarten, und die Hälfte der Chardonnay Weinberge durch Hagel total ausfällt, gibt es keinen Blanc de Blanc.

7. und 8. Oktober

Die Vorlese in den Spätburgunderweinbergen geht weiter. Durch die Lese von Trauben, die etwas Fäulnis haben, wird der im Weinberg verbleibende Rest „wetterfester“. Wir können so mehr riskieren und die Trauben länger reifen lassen. Die abgeernteten Trauben können nach dem Entfernen der schlechten Beeren verwendet werden – hier beim Spätburgunder als Sektgrundwein.

11. Oktober

Die Vorlese geht weiter. Inzwischen gehts mit zwei Lesetrupps an die aufwendige Arbeit der Vorlese. Nach dem Spätburgunder kommen nun die anderen Burgunder Rebsorten an die Reihe: zuerst Grauburgunder, danach der Weiße Burgunder.

12. Oktober

Belohnung. Nach der ständigen Vorlese der letzten Tage erscheint die komplette Lese der restlichen Sauvignon Blanc Trauben und der Weißburgunder-Trauben aus unserem „Herzstück“ fürs „Große Gewächs“ wie eine Belohnung für die langwierige und aufwendige Arbeit beim Vorlesen.
Durch das anhaltend trockene Wetter der letzten Wochen haben die Mostgewichte inzwischen den „Normalbereich“ erreicht. Die Säurewerte liegen jedoch nachwievor in einem –Jahrgangstypischen- recht hohen Bereich. Die Verdunstung von Wasser aus den Beeren hat nicht nur Zucker und Aromen, sondern auch alle anderen Inhaltsstoffe, wie die Säure, auf konzentriert.

13. Oktober

Die Vorlese geht weiter.

14. Oktober

Die Vorlese ist abgeschlossen, jetzt werden die Muskateller- und Gewürztraminer-Weinberge geerntet.
Ernüchterung bei der Erntemenge: auch bei uns werden wohl nur 50 bis 70% einer normalen Ernte zu erwarten sein, was das bei unserem langjährigen ohnehin schon sehr niederen Betriebsdurchschnitt von 55 hl vom ha bedeutet können Sie sich leicht selbst ausrechnen!

15. Oktober

Vor dem fürs Wochenende erwarteten Regen wollen wir noch viele Trauben „bergen“. Muskateller und Gewürztraminer werden fertig geerntet. Der kleine Rest, der vom Hagel verschonten Silvanertrauben und die Weinberge für unsere "Pi-No.“ genannte Weißweincuvée werden gelesen.

16. Oktober

Regen. Leider stimmt die Wettervorhersage, die geplante Chardonnay - Lese muss verschoben werden.

17. Oktober

Sonntag. Die Nacht hindurch hat es weiter geregnet. Wir entscheiden uns heute nicht zu lesen, obwohl unser gesamtes Leseteam auch am Wochenende angetreten wäre.

18. Oktober

Der Wind hat wie ein ganz großer Föhn alle Feuchtigkeit weggeblasen. Es geht weiter. Chardonnay und Spätburgunder. Beim Chardonnay hat der Hagel im Juni die Hälfte unserer Weinberge so stark geschädigt, dass sich dort eine Ernte nicht lohnt!
Beim Spätburgunder zahlt sich nun unsere Vorarbeit aus. Da für die Rotweinbereitung nur gesunde Beeren verwendet werden können, da auch bei der Edelfäule durch den Botrytispilz die Beerenhaut so verändert ist, dass keine roten Farbstoffe mehr darin sind. Aber nach unserer aufwendige Vorselektion zu Beginn der Ernte verblieben nur gesunde und ganz reife Trauben am Stock, die nun schnell und unproblematisch zu ernten sind.

19. Oktober

Für heute ist wieder Regen angesagt. Schade, jetzt sind die Trauben von allen Rebsorten in einem Zustand, dass wir sie lesen könnten und sollten. Auch die Reife und der Zuckergehalt sind nun in einem Stadium angelangt, das für uns die Ernte sinnvoll erscheinen lässt. Die nachwievor hohen Säurewerte werden wohl der besondere Charakterzug des Jahrgangs 2010 bleiben!
Leider erreicht uns der Regen früher als erwartet. Nachmittags ist die Lese nicht weiter möglich.
Jetzt gilt es weiterhin  gute Nerven zu behalten und Daumen zu drücken für besseres Wetter!

20. Oktober

Die Nacht war trocken, aber pünktlich um sieben Uhr beginnt es wieder zu regnen. Die wird -wie erwartet- für heute komplett abgesagt.

21. Oktober

Endlich kann es weiter gehen! Der Wind hat die Feuchtigkeit weggeblasen.
Heute können wir die Lese des Spätburgunders für Rotwein abschließen. Auch die nach der Vorlese verbliebenen Grauburgundertrauben werden heute und morgen geerntet.

22. Oktober

Frost! Die Minusgrade nach der fast sternenklaren Vollmondnacht sorgen für einen leichten Raureifüberzug im ganzen Queichtal. Gut eingepackt geht es für die Leser mit der Grauburgunderernte weiter. Zum Aufwärmen der Lesemannschaft beim Mittagessen haben wir seit einigen Tagen ein Zelt im Weingut aufgebaut. Heute stehen noch die ersten Rieslingtrauben zur Lese an.

23. Oktober

Was für eine kalte Nacht! Die Temperatur von bis zu -5 Grad Celsius bei Tagesanbruch sorgt dafür, dass in den nächsten Tagen alle Blätter fallen werden, sich die Weinberge vom bunten herbstlichen in ihr kahles winterliches Kleid wandeln werden.
Die Möglichkeit einer Mostgewichtszunahme über die Assimilation der Blätter ist damit endgültig vorbei. Was die Zuckerwerte in den Trauben angeht, so sind wir ja nicht unzufrieden. Das Wetter der letzten Wochen, vor allem der Wind, haben die von Botrytis befallenen Beeren nun zu einer schönen Edelfäule verwandelt, was die Zuckerkonzentration im Saft steigert – aber auch die Säure…
Auch hier liegt die Erntemenge nur bei der Hälfte der Vorjahre.

24. Oktober

Sonntag. Wieder einmal stellt sich das vorausgesagte schlechte Wetter ein. Der Wind bläst im Halbstundentakt ein Aprilwetter durchs Queichtal. Bei diesem Wetter ist unsere Lesemannschaft froh, dass sie heute nicht ernten und Wind und Regenschauern trotzen müssen. Leider können sich unsere Trauben nicht ins „warme Kämmerlein“ zurückziehen.

25. Oktober

Weiter geht’s mit dem Riesling. Heute ernten wir Trauben im Kabinett-Bereich.

26. Oktober

Nach einer Rauhreifnacht beschert uns der wolkenlose Himmel einen goldenen Oktobertag. Gerade richtig für die heutige Lese: die Weinberge im Siebeldinger Sonnenschein sind heute zu ernten. Zunächst die Buntsandstein-Parzelle „Ganz Horn“, am Nachmittag die „Großen Gewächs“- Weinberge auf Muschelkalkboden für den „Im Sonnenschein“. Die Qualität stimmt, die Menge ist aber auch hier höchstens halb so groß wie sonst.

27. Oktober

„Der Berg ruft!“ Es geht in den „Keschdebusch“ (Kastanienbusch)! Das Wetter spielt insoweit mit, dass es am Morgen kein Raureif gibt, aber die Sonne schafft es nur für vier Stunden den Nebel und die Wolken zu durchbrechen.
Die Lese ist anstrengend. Insgesamt dreimal werden alle 105 Zeilen des bis zu 35 % steilen Weinbergs durchgelesen. Wie in den vergangen Jahren werden die Trauben von schwach-, stark- und normalwüchsigen Rebstöcken getrennt geerntet und ausgebaut. Auch der Traubentransport aus den Rebgassen erfolgt –nach guter Väter Sitte- mit „Hotten“, das sind Blechbütten, die wie ein ganz großer Rucksack auf dem Rücken getragen werden.
Mit dem letzten Tageslicht ist auch dies Arbeit erledigt, das Ergebnis, was die Menge betrifft wieder enttäuschend, nur die Hälfte des Vorjahres.

28. Oktober

Heute soll der vorgesagte „Bilderbuch-Herbsttag kommen“. Die restlichen Weinberge im Kastanienbusch werden geerntet. Danach werden alle nach der Vorlese verbliebenen Weißburgunder-Trauben geborgen.
Das Wetter hält was die Vorhersage versprochen hat.

29. Oktober

Letzter „Herbsttag“. (Wir Südpfälzer sagen „herbsten“ zum Trauben ernten.)
Es gilt zuerst  noch die Weißburgunderernte abzuschließen. Danach geht es in den „Buckel“, die Albersweiler Latt, unseren ältesten Weinberg. Die Erntemenge ist hier noch viel kleiner als unsere pessimistischsten Prognosen erwartet hatten-
typisch für einen Jahrgang, der in Zukunft zwar nicht qualitativ, aber mengenmäßig viele Wünsche offen lassen wird!

 

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